Finanzexperten kritisieren die Idee einer strategischen Bitcoin-Reserve, da Bitcoin im Gegensatz zu traditionellen Reserven keinen direkten Nutzen in Krisenzeiten bietet und die Hoffnungen auf eine Schuldenreduktion durch Kurssteigerungen unrealistisch sind. Die Befürwortung der Reserve wird eher als Versuch der Krypto-Lobby gesehen, den Bitcoin-Kurs zu beflügeln und eigene Bestände aufzuwerten.
Die Diskussion um eine strategische Bitcoin-Reserve, die im US-Wahlkampf aufkam, wird von Finanzexperten kritisch betrachtet. Marktbeobachter bezweifeln laut cash.ch die Notwendigkeit einer solchen Reserve. Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank (SGKB), argumentiert gegenüber cash.ch, dass Bitcoin im Gegensatz zu klassischen strategischen Reserven wie Öl oder Nahrungsmitteln keinen direkten Nutzen für die Bevölkerung in Krisenzeiten habe. Bitcoin könne weder als Nahrungsmittel noch als Energiequelle dienen.
Cash.ch zufolge argumentieren Befürworter einer Bitcoin-Reserve, dass diese den hohen US-Staatsschulden entgegenwirken soll. Man erhofft sich durch Investitionen in Bitcoin und dessen prognostizierten Wertzuwachs eine langfristige Schuldenreduktion. Stucki hält diesen Plan jedoch für unrealistisch. Um die US-Verschuldung zu tilgen, müsste der Bitcoin-Kurs auf eine Million Dollar steigen – eine aus seiner Sicht unwahrscheinliche Entwicklung.
Die Krypto-Lobby treibe das Thema einer strategischen Bitcoin-Reserve nicht aus Sorge um die Bevölkerung oder die Staatsverschuldung voran, sondern um die Spekulation mit Kryptowährungen anzukurbeln und den Wert der eigenen Bestände zu erhöhen, so Stucki laut cash.ch. Allein die Aussicht auf eine staatliche Bitcoin-Reserve habe den Bitcoin-Kurs beflügelt und Spekulationen über neue Kursrekorde angeheizt.
Noelle Acheson, Autorin des Newsletters „Crypto Is Macro Now“, rechnet laut cash.ch zwar mit einem steigenden Bitcoin-Kurs, sollte eine strategische Reserve eingerichtet werden. Gleichzeitig warnt sie aber vor den damit verbundenen Risiken. Ein Regierungswechsel oder ein Strategiewechsel der Regierung könnten zu massiven Bitcoin-Verkäufen und einem Kurseinbruch führen. Viele Investoren sähen Bitcoin als Absicherung gegen eine Dollar-Abwertung, so Acheson. Auch Stucki teilt diese Ansicht und erklärt gegenüber cash.ch, dass allein die Ankündigung, Teile der Bitcoin-Reserve aufzulösen, den Kurs zum Einsturz bringen würde.
Ob eine strategische Bitcoin-Reserve tatsächlich umgesetzt wird, bleibt offen. Wie Bloomberg berichtet, hat Donald Trump einen entsprechenden Gesetzesentwurf bislang nicht unterzeichnet. Der Entwurf sieht vor, Goldreserven der US-Notenbank Fed zu verkaufen und im Gegenzug Bitcoin zu erwerben. Die Umsetzung dieses Plans hätte erhebliche Auswirkungen auf den Goldmarkt. Umfangreiche Goldverkäufe durch die Regierung könnten den Goldpreis stark belasten.
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